Skip to main content
Deutscher Titel: 
Adams Äpfel

Adam (Ulrich Thomsen) ist ein überzeugter Skinhead, der als Strafe in einer dänischen Gemeinde sozialen Dienst machen muss. Dort trifft er auf den Pastor Ivan (Mads Mikkelsen), der zum Verzweifeln gutmütig ist. Adam versucht wiederholt, ihn zu provozieren, schafft es aber nicht. Er beißt sich an der Gutmütigkeit Ivans fast die Zähne aus. Seine Freunde hingegen zweifeln immer mehr an Adams Gesinnung. Als Adam schließlich die Fassade von Ivan zum Einsturz bringt, ist es schon zu spät, denn Adam selbst ist bekehrt und zweifelt an der Richtigkeit seines Tuns. Wodurch ist er bekehrt? Göttliche Intervention? Es sieht zumindest so aus.
Diese Geschichte garniere man jetzt noch mit reichlich Kraftausdrücken, Kindesmissbrauch und Ausbrüchen von Gewalt, dann kommt der dänische Film Adams aebler heraus.

Der Film stammt aus der Feder von Anders Thomas Jensen, einem viel beschäftigten Autor, der unter anderem für Mifunes sidste sang und die diesem Film mehr ähnelnden Blinkende lygter, I kina spise der hunde, Gamle maend i nye biller aber auch für die Filme von Susanne Bier (Elsker dig for evigt, Brødre, Efter brylluppet) die Bücher schrieb. Das Drehbuch von Adams aebler ist auch nicht schlecht, Jensen hat ein gutes Gespür für Timing und weiß die Pointen gut zu setzen. Die sind auch oft sehr witzig.
Bloß irgendwann ist es dann nicht mehr lustig. Es wird einfach zu viel, der Film kippt und wird völlig unglaubwürdig, der Kindesmissbrauch, der Selbstmord der Frau oder das behinderte Kind, der Krebs - das sind alles billige Drehbuchtricks, bei denen man das Gefühl bekommt, es geht nur noch darum, etwas weiteres Schreckliches zu finden, und diesem dann durch Zynismus einen Hauch von politischer Unkorrektheit zu geben. Der Film tritt ja zumindest im deutschen Verleih so an, als wollte er den so genannten Gutmenschen mal den Spiegel vorhalten und sie ordentlich vorführen.
Damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich werfe dem Film nicht vor, dass er unrealistisch ist; ein Film hat das Recht, sich von der Realität zu entfernen, nichts ist öder als von einem Fim zu verlangen, die Realität getreu wiederzugeben. Nein, ich werfe dem Film im Gegenteil vor, dass er nicht den Mut hat, diese künstlerische Freiheit auch voll für sich in Anspruch zu nehmen und am Ende halt doch wieder in das gute alte Muster des Erziehungsfilms verfällt.
So fängt der Film vielversprechend als schwarze Komödie und Satire über provinzielle Dumpfbackigkeit und blauäugiges Gutmenschentum an, nur um am Ende dann affirmativ dieses Gutmenschentum zu bestätigen und sogar noch religiös zu überhöhen. Denn bei all der politischen Unkorrektheit bleibt der Film letztlich so politisch korrekt (auch noch im Einklang mit der Religion, die hier als die wahre Lösung des Problems Nazismus fungiert), dass es einem schon kalt den Rücken runterläuft. Will man das gleichzeitig auch noch als Kommentar und Spiegelbild der dänischen Gesellschaft verstehen, wundert es einen nicht, dass die Rechten dort so erfolgreich sind. Es lebe die provinzielle Dumpfbackigkeit und das Gutmenschentum!

Meine Wertung: 
4

Filmography links and data courtesy of The Internet Movie Database.