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Ins Kino!


Zwischen 1970 und 1986 gab es in der Süddeutschen Zeitung eine Kolumne, die unter dem Titel Filmtips, Münchner Filmtips oder Filmtips für München zweimal wöchentlich, am Dienstag und am Freitag, im Feuilleton erschien.

Frieda Grafe, eine der renomiertesten Filmkritikerinnen in Deutschland, veröffentlichte 479 Folgen, zwei weitere fielen Streiks zum Opfer. Alle diese Folgen sind in einem Band erschienen: Friede Grafe, Schriften, Band 11, Ins Kino! Münchner Filmtips 1970 — 1986, Verlag Brinkmann & Bose, Berlin 2007. Herausgegeben wurde der Band von Enno Patalas.

Es handelt sich um kurze, meist nur einen Satz, manchmal auch nur ein paar Worte umfassende Texte. Das ist eine interessante Art, Filmkritik zu praktizieren. Mal nicht ausführliche, lange Texte zu schreiben, sondern kurze, mitunter auch spontane Ideen. Es macht Spaß, diese Texte zu lesen, sie als Anregungen zu sehen, vielleicht auch mit ihrer Hilfe neue Filme zu entdecken. Oder auch schon bekannte Filme unter einem neuen Licht zu sehen. Ganz nebenbei bekommt man dazu noch einen Einblick in Filmgeschichte und Filmtheorie.

Natürlich sind nicht alle Texte Perlen, es gibt Wiederholungen, nicht mit allen Dingen wird man einverstanden sein (z.B. sind die streckenweise harten Urteile über John Huston und Billy Wilder in meinen Augen ungerechtfertigt), aber das versteht sich ja eigentlich von selbst. Dafür gibt es dann aber manchmal auch wirkliche Kracher:

Der Meister hält sich an sein Rezept, das Spezifische eines Landes in dramatisches Material zu verwandeln. In Holland gibt es Tulpen, Schokolade in der Schweiz, in England schlechtes Essen und in Deutschland deutsche Menschen. Um sie so zu sehen und zu finden, muss man von draußen reinschaun. (Über Hitchcocks Torn Curtain)

Ein Buch, das zu lesen sich lohnt.

Meine Wertung: 
7