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Auf der anderen Seite

Deutscher Titel: 
Auf der anderen Seite

Faith Akins erster langer Spielfilm seit Gegen die Wand weckt natürlich Erwartungen. Und ich kann mir nicht helfen, aber ich denke, dass Akin diesen Film teilweise bewusst gegen solche Erwartungen angelegt hat. Leute, die von diesem Film eine vielleicht etwas abgewandelte "Gegen-die-Wand"-Story erwartet haben, werden enttäuscht sein. Der Ton ist sehr zurückhaltend, in seinen besten Momenten dokumentarisch - man merkt, dass Akin mittlerweile etwas mehr von der Türkei gesehen hat. Der Film erzählt von zwei unnötigen Todesfällen, beides mehr oder weniger Unfälle und beide über beteiligte Personen miteinander verbunden. Wenn es nur um die beiden Todesfälle ginge, hätte der Film eine letztlich sehr pessimistische Haltung. Stattdessen erzählt er von ihnen, setzt die Geschichte dann aber fort mit den Worten "Auf der anderen Seite" und gibt dem Ganzen dann eine Wendung, die mit der großen Hoffnung auf Aussöhnung endet. Insofern ist der Film auf einer tieferen Ebene dann doch sehr verwandt mit Gegen die Wand. Dennoch ist er im Vergleich zu diesem nicht so gut gelungen, was m.E. vor allem an zwei Dingen liegt: Drehbuch und Schauspielführung. Das Drehbuch erzählt eine sehr interessante Geschichte über Schuld und Vergebung und hat in dieser Hinsicht auch den Preis in Cannes verdient. Was mir halt als Muttersprachler auffällt (jedenfalls, wenn Deutsch gesprochen wird) - und zwar noch stärker als in den früheren Filmen - ist, dass die Sätze oft etwas zu gestelzt sind. Die Menschen reden in der Regel einfach nicht so. Das beißt sich dann eben mit den sehr gelungenen dokumentarischen Szenen (im Asylbewerberheim oder auf dem Amt) und klingt ein bisschen zu sehr nach Theater oder - schlimmer noch - deutschem Fernsehen. Dieses Sprachproblem geht Hand in Hand mit meinem Eindruck, dass Akin in Sachen Schauspielerführung vielleicht noch etwas mehr Erfahrung gewinnen muss. Es kann natürlich auch daran liegen, dass die Schauspieler nicht besonders gut sind, aber ich denke, dieser wunde Punkt zeigt sich nicht nur in diesem Film. Besonders Baki Davrak und Patrycia Ziolkowska liefern sehr gemischte Vorstellungen ab und darunter leidet dann halt auch wieder die Glaubwürdigkeit. Um so mutiger ist es natürlich von Fatih Akin, einen solchen Film zu machen und sich nicht hinter Effekten und "Rock'n'Roll" zu verstecken.

Meine Wertung: 
6

Filmography links and data courtesy of The Internet Movie Database.